Per Sommerfloß nach Carl

Eng wurde es am Mittwoch, 13. August, auf der Zweigertbrücke: Über hundert Essener erwarteten die Ankunft des Musikers Heinz Ratz und der Women in Exile, die zusammen via Eigenbau-Floß von Nürnberg nach Berlin pendeln. Zwischenstopp am 30. Tag: die Zeche Carl in Altenessen. Zugleich war die Aktion Teil des Projekts Arche Noah 2014, denn der Tag des Flüchtlings in der Interkulturellen Woche greift das gleiche Kernthema auf.

„Noch nie haben uns so viele Menschen empfangen wie hier“, kommentiert Musiker Heinz Ratz die Ankunft an der Zweigertbrücke. Er, seine Band Strom und Wasser und Flüchtlingsfrauen der Organisation Women in Exile erreichten den dortigen Anleger gegen 15 Uhr und wurden von zahlreichen Anwohnern, Asylsuchenden aus hiesigen Einrichtungen, Kulturdezernent Andreas Bomheuer, Sozialdezernent Peter Renzel und zahlreichen Mitgliedern des Initiativkreis Religionen begrüßt. Die beiden Flöße sind Symbol für die tragischen Schicksale, die Flüchtlinge nicht selten auf der Fahrt übers Mittelmeer ereilen. Zudem will Ratz mit der Tour für die Gegebenheiten vor Ort sensibilisieren: „Aktionen wie diese sind notwendig, um der Bevölkerung zu zeigen, wie die Situation tatsächlich ist.“

Nach einem Umzug von der Zweigertbrücke aus, wurde der Tag mit einem Fest der Begegnung auf der Zeche Carl fortgesetzt. In der vollen Turnhalle trat zur rhythmischen Einstimmung eine irakischen Tanzgruppe auf, hinterher wandte sich Sozialdezernent Peter Renzel an die bunte Menge: „Wir wissen, dass wir alle hier in Essen zusammenstehen. Das zeigt die heutige Aktion genauso wie die Interkulturelle Woche im September. Essen ist eine Stadt des Willkommens.“ Der Situation entsprechend wurde die Ansprache des Sozialdezernenten zusätzlich ins Englische, Französische und Arabische übersetzt.

Hinterher begaben sich alle in drei Gesprächsgruppen, um dort Erfahrungen der Flucht auszutauschen: Wie behauptet man sich, wie bewahrt man seine Menschlichkeit, wie geht man mit den Integrationshürden um. Den Kindern wurde in dieser Zeit auf dem Außengelände Kurzweil geboten: Auf dem Programm standen beispielsweise Drei-Seiten-Fußball und Bilder malen mit dem Team der Zeche Carl oder Kinderschminken mit der Jugendhilfe Essen.

Ein Höhepunkt war das abendliche Konzert in der vollen Kaue. Zuerst heizte Heinz Ratz mit Strom und Wasser den Zuschauern ein, in stetem Wechsel rundeten weltmusikalische Auftritte verschiedener Flüchtlinge aus Teilen Afrikas den Auftritt ab. Im Anschluss begeisterte Flamenco-Gitarrist Rafael Cortés das Publikum: Cortés, der seine halbe Jugend gitarrespielend auf Carl verbrachte, gab sich auf der Bühne der Kaue noch einmal die Ehre, bevor im kommenden Jahr Tour-Termine in den USA, Kanada und Japan warten. Der Reinerlös des Doppel-Benefizkonzertes war je zur Hälfte für die Weiterreise der Flüchtlinge nach Berlin und die Arbeit von Pro Asyl in Essen. „Es ist schön, ein so buntes Bild zu sehen. Ich bin glücklich, dass die verschiedenen Kulturen so zusammenhalten – dass Essen so zusammenhält“, resümiert Organisator Willi Overbeck vom Initiativkreis Religion die Ereignisse des Tages.

Nächster Halt der Flüchtlingsflöße waren am 14. August die Pauluskirche in Dortmund sowie am 14. August der Bahnhof Langendreer in Bochum. Als Teil des Projekts Arche Noah 2014 weist die Aktion zugleich auf den Tag des Flüchtlings und des Respekts in der Interkulturellen Woche hin. Mit einem bunten Programm aus Musik von Flüchtlingen, Informationen, Filmszenen, Theater, Interviews und kurzen Berichten von Betroffenen werden am Freitag, 26. September, ähnliche Kernthemen wie beim Begegnungsfest auf Carl angerissen. Beteiligt sind an diesem Tag unter anderem Pro Asyl, Caritas Essen, Diakoniewerk Essen, Vertreter der runden Tische und viele andere.

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