Flüchtlingshelfer lernen, den Blickwinkel zu wechseln

Essen. Caritas und Diakonie bieten Fortbildungen für Flüchtlingshelfer an. Sie sollen als Deutsche zu ihrer Art stehen, aber auch sensibel sein für andere Kulturstandards.

„Gehen eine Deutsche, eine Amerikanerin und eine Asiatin essen…“ Was sich anhört wie der Anfang eines Witzes, hat Despina Paraskevoudi-Wilbert bewusst als Beispiel dafür ausgewählt, zu welchen Missverständnissen die je nach Kultur unterschiedliche Art der Kommunikation führen kann. In der ersten Veranstaltung einer neuen Fortbildungsreihe für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe, die das Diakoniewerk Essen gemeinsam mit dem Essener Caritasverband gestartet hat, ging es daher nicht nur um die Rahmenbedingungen der ehrenamtlichen Mitarbeit, sondern auch um interkulturelles Verständnis.

Gemeinsam am Stand: Despina Paraskevoudi-Wilbert (li.) von der Integrationsagentur des Diakoniewerks Essen, und Barbara Weß, die die Integrationsagentur der Essener Caritas vertritt / Foto: OH
Gemeinsam am Stand: Despina Paraskevoudi-Wilbert (li.) von der Integrationsagentur des Diakoniewerks Essen, und Barbara Weß, die die Integrationsagentur der Essener Caritas vertritt / Foto: OH

Deutsche sagen oft direkt und unverblümt ihre Meinung, während Menschen aus einem anderen Kulturraum oft zurückhaltender sind, wenn es darum geht, Kritik zu äußern oder Probleme anzusprechen. Beim fiktiven gemeinsamen Essen der drei Frauen würde die Deutsche der Kellnerin am ehesten sagen, der Hamburger sei angebrannt gewesen, während die Asiatin eine solche Äußerung für absolut unhöflich hielte. Auch in den Essener Flüchtlingsunterkünften, von denen zurzeit 14 von der Caritas oder der Diakonie betrieben werden, gibt es immer mal wieder Irritationen zwischen Ehrenamtlichen und Bewohnern.

Die unterschiedlichen Kulturstandards
Es kann zum Beispiel vorkommen, dass eine Ehrenamtliche sich wundert, warum eine Flüchtlingsmutter ihre kleinen Kinder so unbekümmert herumtollen lässt. Verantwortungslos? Ein anderer Helfer merkt, dass sein Gegenüber irgendein Problem hat, sich aber dazu nicht äußern mag. Verschlossen? Oder beim gemeinsamen Essen bleibt bei manchen viel zu viel auf den Tellern zurück. Unhöflich? Dreimal lautet die Antwort: „Nein.“

„Es sind die unterschiedlichen Kulturstandards, die unser Verhalten bestimmen“, sagt Despina Paraskevoudi-Wilbert. Sie prägten unsere Erziehungsregeln, unser Sprachverhalten, unsere Essgewohnheiten und vieles mehr. Bei der Arbeit mit Flüchtlingen sei es wichtig, sich dieser Unterschiede bewusst zu sein und nicht alles aus dem eigenen Blickwinkel heraus zu bewerten. Ihr Tipp: „Nachfragen, wenn man ein bestimmtes Verhalten nicht versteht.“

„Ehrenamtliche sind Mittler und Vermittler unserer Kultur“
Selbstverständlich sollten ehrenamtliche Helfer bei ihrer Arbeit authentisch bleiben, also als Deutsche auch ruhig zu ihrer direkteren Art stehen. „Ehrenamtliche sind Mittler und Vermittler unserer Kultur“, so Barbara Weß vom Caritasverband, die bei der Info-Veranstaltung auch auf organisatorische Fragen einging.

Der Bogen spannte sich dabei vom erweiterten polizeilichen Führungszeugnis über Versicherungsfragen und Gesundheitsschutz bis hin zu einer möglichen Aufwandsentschädigung. Das neu gebildete Team „Koordination Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe“ steht für Fragen zur Verfügung.

Persönlicher Beitrag zur Integration
Viele Ehrenamtliche in den Essener Flüchtlingsunterkünften sehen ihre Arbeit als Bereicherung. Sie wollen einen persönlichen Beitrag zur Integration leisten und ziehen daraus oftmals Kraft für ihren Alltag. Doch die Herausforderungen bleiben. Eine davon, so Barbara Weß, könne auch eine abrupte Beendigung des Ehrenamts sein, etwa wenn die betreute Flüchtlingsfamilie wegziehe oder abgeschoben werde.

Despina Paraskevoudi-Wilbert und Barbara Weß haben die Schulung gemeinsam konzipiert. Weitere Veranstaltungen für Ehrenamtliche sind geplant. Zum neuen Team „Koordination Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe“ gehören ferner Stefan Juchhoff, Bettina Müller und Miriam Langenickel (Caritas) und Isabell Sierra und Melanie Gallinat (Diakonie). Wer an einer Mitarbeit interessiert ist, kann per E-Mail Kontakt aufnehmen: koordination.ehrenamt@caritas-e.de oder m.gallinat@diakoniewerk-essen.de

Quelle: Katrin Martens – Flüchtlingshelfer lernen, den Blickwinkel zu wechseln | WAZ.de – Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/essen/fluechtlingshelfer-lernen-den-blickwinkel-zu-wechseln-id11708351.html#plx194664527

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