Ruhrbischof nennt Grenzzäune „Sünde“

Essen. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat scharfe Kritik an Zaun-Anlagen zur Abschottung von Flüchtlingen in Ost- und Südosteuropa geübt. Overbeck, der auch Adveniat-Vorsitzender ist, glaubt weiter an die in Deutschland weit verbreitete große Hilfs- und Spendenbereitschaft.
Die großen Herausforderungen durch die Flüchtlingssituation in Deutschland haben nach Ansicht von Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck keine negativen Auswirkungen auf die Spendenbereitschaft der Deutschen zu Gunsten anderer Hilfsprojekte in der Welt. „Ich hoffe, dass die Menschen unterscheiden können und erkennen, dass es überall auf der Welt Not gibt“, sagte Overbeck bei der Vorstellung der Jahresbilanz von Adveniat in Essen.

Jüngste Zahlen des Lateinamerika-Hilfswerks der deutschen Katholiken scheinen dem Bischof Recht zu geben: Erstmals seit Jahren ging es bei den Einnahmen von Adveniat im vergangenen Geschäftsjahr wieder aufwärts.

Overbeck stellte sich auch gegen Stimmen in Deutschland, die eine nachlassende Hilfsbereitschaft herbeireden wollten. „Ich werde nicht müde, gegen solche Behauptungen anzugehen“, sagte der Essener Bischof. Scharfe Kritik übte der Adveniat-Vorsitzende an militärisch gesicherten Grenzzäunen, wie es sie zwischen den USA und Mexiko gibt und jetzt im Süden Europas. „Diese Form der Trennung ist mehr als ein Skandal, das ist eine echte Sünde“, sagte Overbeck. Dass einige Bischöfe in Osteuropa solche Anlagen zur Abschottung gegen Menschen befürworteten, die aus purer Angst um ihr Leben flüchteten, bezeichnete Overbeck als „völlig unkatholisch“.

Adveniat, das von Essen aus verwaltet wird, hat im abgelaufenen Geschäftsjahr den langanhaltenden Trend rückläufiger Einnahmen erstmals wieder brechen können. Bis zum Geschäftsjahresende am 30. September 2015 stiegen die Einnahmen auf knapp 49 Millionen Euro. Noch vor zehn Jahren hatten die Einnahmen dagegen bei über 65 Millionen Euro gelegen.

Insgesamt unterstützte Adveniat im vergangenen Jahr mit 47 Millionen Euro rund 2900 Projekte in Lateinamerika. Das Plus auf der Einnahmenseite geht allerdings zu einem großen Teil auf zusätzliche Erträge aus Kapitalanlagen zurück. Der Spendenzufluss sank geringfügig auf 46,1 Millionen Euro, was laut Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens vornehmlich dem Rückgang bei der Weihnachtskollekte geschuldet ist. Einzelspenden erreichten mit insgesamt knapp elf Millionen Euro dagegen einen neuen Höchststand.

Jentgens betonte zudem, dass das Hilfswerk im vergangenen Jahr seine Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank „wegen deren Geschäftsgebaren“ aufgekündigt habe. Adveniat habe von dem Kreditinstitut Einlagen in zweistelliger Millionenhöhe abgezogen, sagte Jentgens dieser Zeitung.

Kuba „extremst arm“
Adveniat-Bischof Overbeck zeigte sich angesichts seiner kürzlich beendeten Kuba-Reise erschüttert von den sozialen Missständen auf der kommunistisch regierten Karibik-Insel, die sich derzeit zaghaft zu öffnen beginnt. Das Land sei „extremst arm“, sagte Overbeck. Besonders die Versorgungslage alter und kranker Menschen sei desaströs.

Quelle: Michael Kohlstadt – Ruhrbischof nennt Grenzzäune „Sünde“ | WAZ.de – Lesen Sie mehr auf: http://www.derwesten.de/politik/ruhrbischof-nennt-grenzzaeune-suende-id11756263.html#plx2013419240 // Beitragsbild: Nicole Cronauge

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