Das Fasten im Islam und im Christentum

Ansprache von Horst Graebe (Vorsitzender des Vereins für christlich-islamische Begegnung Ruhr e.V.) zum Ramadan-Fastenbrechen in der Yavuz-Sultan-Selim Moschee in Essen-Kray am 09. Juni 2016

Liebe, verehrte Gäste, Teilnehmerinnen und Teilnehmer an unserer Veranstaltung: Ich begrüße Sie mit dem schönen Gruß, der sowohl in den Moscheen wie auch in den Kirchen gebraucht wird:

Selamün aleyküm – Der Friede sei mit euch – As Salamu alaykum! Seien Sie herzlich willkommen – Hoş geldiniz!

Wir stehen am Ende eines langen Fastentages, und alle warten sehnsüchtig auf die Unterbrechung des Fastens, die exakt um 21:52 Uhr beginnt. Lassen Sie uns bis dahin noch ein wenig über das Fasten in den drei monotheistischen Religionen sprechen.

Judentum, Christentum und Islam sind sich im Fasten sehr nahe; es gibt aber auch interessante Unterschiede. In diesem Kreise ist es wohl nicht nötig, über die Fastenbedingungen des Islams und die Ausnahmen zu sprechen.

Es sollte aber hervorgehoben werden, dass es sich bei dem Fastengebot, einer der fünf Säulen des Islams, um ein göttliches Gebot handelt. In den beiden anderen monotheistischen Religionen dagegen spielt das Fasten zwar eine wichtige Rolle, ist aber nicht von Gott geboten. Zur Zeit Jesu war es im Judentum eine Selbstverständlichkeit, dass man bei vielen Gelegenheiten fastete; die hebräische Bibel berichtet an zahlreichen Stellen davon. Im 2. Buch Moses heißt es zum Beispiel: „Mose blieb dort beim Herrn vierzig Tage und vierzig Nächte. Er aß kein Brot und trank kein Wasser. Er schrieb die Worte des Bundes, die zehn Worte, auf Steintafeln.“ Von Jesus wird im Evangelium berichtet, dass er 40 Tage fastete, ebenso wie es Moses oder Elias vor ihm getan hatten. So erklärt sich die 40-tägige Fastenzeit, die später von der christlichen Gemeinde eingeführt wurde.

Auf dieses Fasten weist auch der Koran hin, wo es in der Sure Bakara, Vers 184 heißt: „Ihr Gläubigen, euch ist vorgeschrieben zu fasten, so wie es auch denjenigen, die vor euch lebten, vorgeschrieben worden ist, damit ihr gottesfürchtig seid.“

Man kann fragen, wer diejenigen sind, die vor den Angesprochenen lebten. Viel spricht dafür, dass damit Christen und Juden gemeint sind, denn diese werden im Koran oft als diejenigen beschrieben, die früher eine Offenbarung erhalten haben. Die zur Zeit Muhammeds in Arabien lebenden Polytheisten und Feueranbeter jedenfalls haben nach allen vorliegenden Erkenntnissen nicht gefastet.

Die gesamte Rede als PDF herunterladen.

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