Neujahrsempfang: Dialog von Christen und Muslimen soll intensiviert werden

Neujahrsempfang der Evangelischen Kirche in Essen: Plädoyers für eine Intensivierung des christlich-muslimischen Dialogs

Mit einem wundervollen musikalischen Dialog von Santur (Kamal Mazlumi) und Gitarre (Gerhard Klingenstein) begann am Freitagabend in der Marktkirche der traditionelle Neujahrsempfang, mit dem die Evangelische Kirche in Essen traditionell das neue Kirchenjahr begrüßt. Auch inhaltlich ging es an diesem Abend um Begegnungen, nämlich die zweier Religionen: „Essen – die Dialogstadt. Christlich-muslimische Impulse“ lautete die Überschrift. Die Bedeutung dieses Themas für das Zusammenleben der Religionen hatte sich im Laufe des vergangenen Jahres beim Prozess zur Erstellung einer neuen Kirchenkreiskonzeption herauskristallisiert.

Kirchenrat Rafael Nikodemus, der als Theologischer Dezernent im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland unter anderem für das Arbeitsfeld „Christen und Muslime“ zuständig ist, forderte dazu auf, mehr verbindliche Kooperationen und Weggemeinschaften zu entwickeln. Nur wo der Dialog von Christen und Muslimen auf Augenhöhe stattfinde, könne Vertrauen wachsen: „Dabei geht es um das Kennenlernen und Verstehen genauso wie um Begegnungen und Schritte gemeinsamen Handelns in der Nachbarschaft, im Stadtteil, in der Kommune.“ Zu einem offenen Dialog gehörten aber auch die die Fähigkeit, Kritik und Selbstkritik zu üben und nicht nur die Gemeinsamkeiten zu betonen, sondern auch das Trennende und die Unterschiede auszuhalten. Christen und Muslime könnten dazu einen wichtigen Beitrag leisten: „Im Hören auf unsere jeweiligen heiligen Schriften können wir Wegweisung finden für ein gemeinsames Ziel von Christen und Muslimen – für ein Leben in Frieden, Gerechtigkeit und Achtung der Schöpfung. Dazu wünsche ich uns viel Ausdauer und Beharrlichkeit und Ihnen in Essen die Energie, um die vielen guten Initiativen, die es hier gibt, fortzusetzen und zu vertiefen.“ Als vorbildlich in dieser Hinsicht nannte er die interreligiösen Arche-Dialoggruppen, das Arche-Noah-Stadtfest des Initiativkreises Religionen Essen (IRE) und das Beteiligungs- und Kunstprojekt Engel der Kulturen.

Im zweiten Impuls des Abend plädierte der Islamwissenschaftler Hüseyin Inam nachdrücklich für die Einführung eines islamischen Religionsunterricht: „Das ist wichtig, weil den muslimischen Schülern dadurch ein Zugang zu seriösem Wissen über ihre Religion verschafft wird. Sonst besteht die Gefahr, dass sie sich – ganz reflexhaft – oft gemäß den vorurteilsbehafteten Klischees verhalten, die die Öffentlichkeit so gern von ihnen zeichnet – weil sie dadurch bei anderen Ängste auslösen und sich dann mächtig und überlegen fühlen können.“ Auch Inam sprach sich dafür aus, den Dialog zu intensivieren: „In jeder Begegnung, in jedem geistigen Austausch gibt es Kommunikationsschwierigkeiten und Fehler. Wer aber geduldig ist und sie überwindet, wird am Ende reich belohnt.“ Freundlichkeit, Höflichkeit und Respekt seien je nach Traditionen, Kultur und Mentalität zwar unterschiedlich akzentuiert, könnten aber mit Leichtigkeit alle Schwierigkeiten überwinden. „Und sie sind für die Aufwertung unseres Lebensalltags sehr wichtig – sie steigern unser Lebensglück.“

Zu Beginn des Neujahresempfangs hatte Bürgermeister Franz-Josef Britz den christlichen Konfessionen für ihr Engagement im interreligiösen Dialog gedankt. Stadtdechant Dr. Jürgen Cleve überbrachte zum letzten Mal die Grüße des römisch-katholischen Stadtdekanats Essen. „Ich verlasse unsere gute ökumenische Gemeinschaft hier in Essen äußerst ungern“, sagte Cleve, der als Propst nach Bottrop wechseln wird. Im Anschluss an die Grußworte und Vorträge bestand Gelegenheit, sich im Haus der Evangelischen Kirche bei Getränken und einem Imbiss noch ein wenig über das Thema des Abends auszutauschen und das, was den Dialog von Christen und Muslimen fördert oder hemmt, auf Karten zu schreiben und an eine Pinnwand zu hängen.

Bild- und Textquelle: Evangelische Kirche in Essen, www.kirche-essen.de

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